Kollektive Schatten

Wir möchten Möglichkeiten, Methodik und Prozesse entwickeln, die Heilung für Menschen als Individuum und als Kollektiv ermöglichen – das SHOAH – Seminar war erst der Anfang! (Gregor Steinmaurer/Andreas Gutjahr)

Wir leben in einer Zeit des Weltbürgertums und auch eines zunehmenden Bewusstseins darüber dass (selbst) (auch) unsere individuellen Leben von größeren und kollektiven Themen und Dimensionen beeinflusst werden.

Globale politische, wirtschaftliche, ökologische und humanitäre Ereignisse können nicht mehr isoliert und voneinander getrennt betrachtet und gelöst werden.
Individuelle und kollektive Probleme von Menschen und Nationen lassen sich oft auf unverarbeitete kollektive Traumata und Schattendynamiken zurückführen.

Durch unsere Arbeit und Forschungsinteresse erleben wir zunehmend, dass die individuelle Heilungsarbeit die sich im letzten Jahrhundert so wunderbar (stark) entwickelt hat, für unsere komplexen und globalen Probleme nicht mehr ausreichend ist.

Wir gehen davon aus, dass Bewusstseinsarbeit und Heilung auch auf eine kollektive Ebene von Gruppen (religiös, ethnisch etc…), Völkern und Nationen übertragbar und möglich ist.
Traumata aus der Vergangenheit sind nicht einfach abgeschlossen, auch wenn schon viele Jahre oder Jahrzehnte vergangen sind, sondern sie müssen erforscht, gefühlt und integriert werden – ansonsten wiederholt sich – wie so oft – die Geschichte.

Die Forschung und Erfahrung zur Arbeit und Heilung mit individuellem Trauma hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig weiterentwickelt und es wurden viele neue und effiziente Methoden entwickelt. Unserer Ansicht nach wird diese Entwicklung weitergehen, und viel mehr als noch bis jetzt die kollektiven Dimensionen von Trauma und psychologischen Schatten miteinbeziehen. Wir sehen darin eine Chance, Heilung nicht mehr nur als einen individuellen Prozess zu erleben, sondern die Perspektive zu erweitern, und dadurch auch zur Lösung und Klärung von immer wiederkehrenden kollektiven Problemen beizutragen.

Einschneidende historische Ereignisse wie der Holocaust, der 2.Weltkrieg, der armenische Genozid, die Sklaverei, oder der Genozid an der Urbevölkerung in den USA sind nur ein paar Beispiele für Themen, die zwar zeitlich oftmals schon lange hinter uns liegen, aber immer noch vielfältige Auswirkungen auf das Leben heute haben – sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder in individuell und persönlich wirkenden Problemen und Leiden.

Unser Anliegen ist es, sich diesen Themen mit Respekt, Klarheit, Kompetenz und Neugierde zu nähern und widmen.

Wir erforschen was eine Traumatisierung in einem Kollektiv bedeutet, wie sie wirkt, sich ausdrückt, und wie eine Gruppe von Menschen (die sich vielleicht nicht mal persönlich davon betroffen fühlen) in der Absicht mehr Klarheit, Bewusstheit und echtes Empfindungsvermögen in das Thema zu bringen, damit arbeiten kann.

Wir stellen uns die Frage, wie solche kollektive Schattendynamiken und Traumatisierungen die nach wie vor bestehen, sichtbar und spürbar gemacht werden können, und welche Methoden, Kompetenzen und Prozesse dafür notwendig sind.

Wir schaffen Räume und Möglichkeiten, in denen sich interessierte Menschen und Fachleute diesen Themen und Fragen widmen können. Wir möchten eine Plattform für interdisziplinären Austausch und gegenseitige Inspiration und Austausch bieten. Wir möchten eine wache Kultur des Miteinander fördern, die der Reichhaltigkeit des menschlichen Erlebens in allen Dimensionen von Kunst, Therapie, Heilung, Austausch, Kreativität und Mystik gerecht wird.

Wir möchten Möglichkeiten, Methodik und Prozesse entwickeln, die Heilung für Menschen als Individuum und als Kollektiv ermöglichen.