Andreas Gutjahr

Die Intentionen mit dem „Seminar Shoah“ – Integration, Heilung, Innerer Friede

Die Intentionen

(Andreas Gutjahr – Mitinitiator)

Wir wollten mit Hilfe des Filmes „SHOA“ von Claude Lanzmann einen Raum für Dialog, Reflexion, Heilung & Integration der gemeinsamen Geschichte der Judenvernichtung (und anderer Verfolgter) im Nationalsozialismus eröffnen. Das ist uns gelungen!

Wir wollten eine Gelegenheit schaffen, uns gemeinsam mit den unerlösten Energien auseinanderzusetzen, die sich individuell und kollektiv (in der eigenen Familie und in der Gesellschaft) als Schatten und einschränkende Phänomene zeigen. Das ist im Rahmen des Zeitraumes von 2,0 Tagen als kraftvoller und öffnender Heilungsimpuls geschehen und kann als Beginn eines längerfristigen Prozesses gesehen werden.

Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, den inneren Bewegungen Raum zu geben – sofern sie da sind – und damit unser Wachstum zu fördern. Wir haben erlebt, dass sich innere Spannungen gezeigt, ausgedrückt und gelöst haben. Die Teilnehmer kamen durch den Prozess in einen emotionalen Kontakt mit dem „Nichtfühlen im Traumazustand“. Sie haben die übernommenen Muster in sich erkannt, gespürt und im sozialen Kontakt ausdrücken können.

Hintergrund:

Der 9 – stündige Film wurde zum 70-jährigen Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in einem Kino in Essen gezeigt und neben der Anwesenheit des Filmemachers Claude Lanzmann mit einem Rahmenprogramm versehen. Er zeigt unkommentierte Interviews mit Überlebenden, Opfern und Tätern aus der Zeit zwischen 1975 und 1985 und die Orte des Geschehens. Man versteht dadurch die subtilen Mechanismen, die den Holocaust ermöglichten und erkennt auch in sich selbst ähnliche Muster – wenn man ehrlich ist. Der Film ermöglicht eine heilende Auseinandersetzung mit den Schatten der national-sozialistischen Vergangenheit in Europa.

 

Meine persönliche Motivation & Erfahrung:

(Andreas Gutjahr / Facilitator)

Ich bin selbst durch meine Familienbiografie betroffen und suche als Jude seit längerer Zeit Heilung und Integration. Meine Familie ist zweigeteilt – meine Mutter ist Jüdin, mein Vater ist Katholik. Dadurch sind zwei verschiedene Familienstränge und Täter/Opferbiografien involviert, die in mir in Mustern weiter wirken. Ich habe seit ein paar Jahren einen starken Impuls hin zu Täter-Opfer-Ausgleichsaktivitäten und wollte endlich inneren Frieden finden. Das ist jetzt passiert. Durch Meditationspraxis, durch Aufstellungen in meiner systemischen Fortbildung, durch viele Gespräche mit meiner Mutter und anderen betroffenen Menschen, und durch das Durchlaufen des Prozesses mit dem SHOA Film hat sich etwas Grundlegendes in mir verändert.

Meine Erfahrung den Film beim ersten Mal alleine anzusehen hat mir gezeigt, dass er in der Auseinandersetzung mit diesem kollektivem Trauma eigene und persönliche Traumata berühren und an die Oberfläche bringen kann. Ich habe während des Filmschauens meine Gefühle, Körperreaktionen und Einsichten aufgeschrieben und es war verblüffend wie sich Muster in meiner eigenen Biografie wieder finden lassen. Zwischendurch habe ich mit Freunden Kontakt und Austausch gehabt – ich konnte mich im Spüren und im „Nicht-Fühlen-Können“ mitteilen – das hatte eine für den Heilungsprozess entscheidende Wirkung.

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