Cosima Köhn

Erfahrungen mit dem Film vor Entstehen des „Seminars Shoah“

Meine persönliche Motivation & Erfahrung:

(Cosima Köhn – Facilitator)

Als sieben Jahre nach dem 2. Weltkrieg in eine deutsche Ruhrgebiets-Familie Geborene, aufgewachsen mit den permanenten Erzählungen über die traumatischen Erlebnisse meiner Eltern (meiner jugendlichen Mutter und meinem behinderten Vater) während des 2. Weltkrieges und meiner Großmutter – zudem während des 1. Weltkrieges, politisch in linken Zusammenhängen engagiert ab den späten 1968ern und immer wieder in Abständen mit der Frage beschäftigt, wie es zu dem Mord an den europäischen Juden und anderer Verfolgter und den verheerenden Weltkriegen kommen konnte. Obwohl ich gedacht habe, die Schatten der Vergangenheit im Laufe meines Lebens mehr oder weniger erlöst zu haben, war ich erstaunt über die Wirkung des Films Shoah, den ich im Januar 2015 zum 70. Befreiungstag von Auschwitz im Rahmen eines Kinoprojekts in Essen gesehen habe. Ich war mit zwei Freunden aus dem TWT (Timeless Wisdom Training bei Thomas Hübl) dort, in einem vollbesetzten Kino. Kurz zuvor war mir die spannende Biographie von Claude Lanzmann in die Hände gefallen, der auf dem Filmtag später für Publikumsfragen zur Verfügung stand.

Mein vegetatives Körpersystem reagierte vor dem Film wie in einem Ausnahmezustand. Mein Herz raste, mir war schwindelig und ich hatte große Angst vor dem, was mich dort erwartete. Die Körpersymptome haben sich während der ersten Hälfte auch nur unwesentlich abgeschwächt, obwohl keine schrecklichen Bilder zu sehen waren. Der Film wurde dreimal unterbrochen für ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Musik und mit einer längeren Essenspause. Zum Abend hin hatte sich mein vegetatives System etwas beruhigt und ich war wie in einem Trancezustand, bin mit den Protagonisten auf diese Reise in das absolute Dunkel gegangen und konnte es dank der Suggestion der Worte auf eine bestimmte Art selbst erleben. Obwohl mir nicht klar war, ob ich überhaupt in der Lage sein würde, den Film zu Ende zu schauen, habe ich bis Mitternacht durchgehalten. Ich bin dann etwas benommen nach Hause gefahren, habe gut geschlafen und war am anderen Morgen völlig überrascht von der Leichtigkeit, die ich empfand. Die Schwere und Traurigkeit der Vergangenheit meiner Familie, die ich immer noch im Rücken gespürt hatte, war weg. Ich konnte diese Schwere und Traurigkeit aber nur nachträglich wahrnehmen, weil sie plötzlich nicht mehr da war, dafür nun diese ungeheure Leichtigkeit.

Es kam so etwas wie Stolz dazu, dass ich mich endlich getraut hatte, diese Reise in das Dunkel unserer jüngsten deutschen Geschichte angetreten zu haben und keine Angst mehr davor haben zu müssen, mich dieser Vergangenheit zu stellen. Vorbereitet war dieser Schritt sicherlich auch durch die zwei Israel-Retreats mit Thomas Hübl, in denen das Thema Holocaust und kollektive Traumata ein zentrales Thema gewesen sind und mich geöffnet haben für eine größere Perspektive und die dahinter stehenden mystischen Prinzipien.

Nachdem ich den Film geschaut hatte, war mir klar, dass ich eine Ressource wieder entdeckt hatte, die wir bei der Bewältigung unseres kollektiven Traumas einsetzen konnten. Als ich meine Erfahrung auf Facebook gepostet habe, fühlte sich Andreas ebenfalls ermutigt, den Film zu schauen, den er zu Hause schon lange als DVD liegen hatte.

Daraus ist unser 1. Shoah-Seminar entstanden

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